Blog-Artikel

    Parabel zu der Kunst des 'Wu Wei'.

    Die Hinrichtung war den beiden gewiss. Der Sultan von Persien hatte die beiden Männer soeben zum Tode verurteilt. Da ging der Eine hin und bot dem Sultan an, seinem Lieblingspferd binnen eines Jahres das Fliegen beizubringen. Im Gegenzug möge er ihm das Leben schenken.
    Dem Sultan gefiel die Idee sehr, der einzige Mann auf Erden zu sein, der auf einem fliegenden Pferd reiten kann - also willigte er ein.
    Da sprach der zweite Todgeweihte zu seinem Freund: "Was tust du da? Du weißt doch, dass Pferde nicht fliegen können!" Darauf antwortete der Erste: "Trotzdem habe ich mir vier Chancen geschaffen: Erstens könnte der Sultan im kommenden Jahr sterben; zweitens könnte das Pferd sterben; drittens könnte ich sterben und viertens könnte das Pferd tatsächlich fliegen lernen."

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    Friedwald - Leseprobe:


    In ihrer Aufregung lief Brünhilde Schmitz unruhig in der Empfangshalle von Friedwald umher.

    „Wie sollte sie Herrn Kiesewetter nur Ihren Entschluss nahe bringen“, dachte sie zum wiederholten Male und hielt, wie in den vergangenen Wochen, vergeblich nach den passenden Worten Ausschau.

    Brünhilde blieb in Gedanken versunken vor dem großen Bildschirm stehen, auf welchem die Agentur Friedwald für ihren geplanten Mythologiepark warb und Interessenten für verschiedene Themenbereiche suchte.

    „Sucht Ihr Mann in der Blüte seines Lebens nach einer Veränderung?“, fragte die freundliche Stimme, während Gestalten der griechischen Mythologie über den Schirm flimmerten.

    „Dann sprechen Sie mit unseren Mitarbeitern.“

    Perseus ritt auf den Betrachter zu, das vorgereckte Kinn kampfbereit erhoben und in der rechten hielt er Athenes Schild, mit dem er Medusa überlistete.

    „Ihre Frau trennte sich überraschend von Ihnen?“, hörte Brünhilde die Sprecherin sagen, als sich hinter

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    Friedpark

    Das etwas andere Unternehmen ist zurück

    Allmählich verloren die Mitglieder des Begrüßungskomitees das Interesse an dem jungen Mann, zumal er regungslos vor seiner Statue ausharrte, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Umschlungen von der Dunkelheit im Augenblick seines Todes, der dunkelsten Dunkelheit, die er je erlebt hatte und die weit von der entfernt war, wie sie nach dem Untergang der Sonne eintrat. Es war eine alte, längst in Vergessenheit geratene Dunkelheit, vertraut nur mit sich selbst. Er spürte, wie sie ihn liebkoste, über Hals und Gesicht leckte, sanft und mit aller Vorsicht, so wie Katzen es tun, um herauszufinden, ob sie etwas fressen möchten. Sein Bewusstsein, verlor sich darin, schwand dahin, bis es luftig wurde und substanzlos wie wispernde Stimmen. Ihn fröstelte und einer Gewohnheit folgend suchte er nach dem Licht - vergeblich.

    Wir werden alt, wir werden älter, wir werden Friedwälder.

    (Philosophie der Agentur Friedwald, aus der später das

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    „Höret!“, sprach Tathagata. „Nicht um das Wohlergehen des Anderen ist das Ich bin liebevoll besorgt, sondern nur um des eigenen Selbst willen. Weshalb verhält es sich so? Weil der Andere sein Dasein bedrohen könnte, sorgt sich das Ich bin um dessen Wohlergehen, in der Hoffnung, dass er sein Dasein achte und in schlechten Zeiten verschone. Die Liebe zum Anderen als Ausdruck erweiterte Selbstliebe.“

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