Der Sinn des Lebens - Im Anfang ...

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Anhand des Buddhismus werde ich die Evolution des Kosmos beschreiben. Weshalb die Lehre Buddhas, so wird sich der eine oder andere zu Recht fragen, da der Buddha auf Fragen in Bezug auf den Kosmos, seinen Ursprung usw. nie geantwortet hat? Die Antwort lautet: Der Buddhismus kommt - meiner Meinung nach - der Evolution des Kosmos und des Homo sapiens mit seiner Sichtweise der Wirklichkeit sehr nahe. Weshalb nur sehr nahe? Antwort: Der Buddhismus hat es versäumt, die Erkenntnisse der vergangenen 2500 Jahre in seine Lehre zu integrieren, obwohl der Buddha selbst den richtigen Weg bereitete.


Transformation! Ein Stück Papier zum Beispiel, erlangt nicht für einen bestimmten Zeitraum Existenz. Es wird nicht zu diesem Zeitpunkt in einer Fabrik hergestellt - geboren - und irgendwann verbrannt - dem Tod überantwortet. Was war es zuvor? Nichts? Kann aus Nichts ein Etwas entstehen? Bevor es Papier wurde, war es ein Baum, Wasser und Sonnenschein. All das war das Papier in seinem früheren Dasein. Transformation. Ich wende mich nun zwei zentralen Begriffen des Buddhismus zu, die sowohl die wahre Erkenntnis über das Wesen des Kosmos vermitteln, als auch dessen ‘Versäumnisse’ offenbaren.


Der Buddha lehrte, dass alles ‘Eins’ ist. Alles ist miteinander verknüpft und er sagte dies mit folgenden Worten: ‘Dies ist, weil jenes ist und dieses ist nicht, weil jenes nicht ist.’ Des Weiteren verkündete er: ‘Es gibt keine Geburt und keinen Tod, kein Sein und kein Nicht-Sein’, und er bot seinen Zuhörern dafür Unbeständigkeit, Nicht-Selbst und Leerheit an, damit sie die wahre Natur der Wirklichkeit erkennen können.


Die Leerheit wird auch als Quelle der unendlichen Möglichkeiten bezeichnet und ich will zuerst auf diese Beschreibung der Leerheit eingehen. Der Buddha beantwortete keine Fragen zur Entstehung des Kosmos. Für ihn basiert seine Lehre auf dem ‘Eigenen Erleben’. Dennoch darf das ‘Wesen des Kosmos’ nicht außen vor bleiben. Der Homo sapiens hat nach langer Evolution ein ‘Ich bin’ hervorgebracht und damit stellt sich die Frage: Warum ein ‘Ich bin’? Es als bloße Illusion abzutun, erscheint mir ungerecht gegenüber dem Wesen des Kosmos. Doch zurück zum Ursprung des Kosmos. Kant sagt über die Vernunft:

„Die Vernunft wird durch einen Hang ihrer Natur getrieben, über den Erfahrungsgebrauch hinaus zu gehen, sich in einem reinen Gebrauche und vermittelst bloßer Ideen zu den äußersten Grenzen aller Erkenntnis hinaus zu wagen und nur allererst in der Vollendung ihres Kreises, in einem für sich bestehenden systematischen Ganzen, Ruhe zu finden.“1

Die ‘reine Vernunft’ hinterfragt jedes Seiende, sucht unablässig nach den Gründen ihrer Existenz und ruht nicht eher, als bis sie die Erkenntnis der Wahrheit zur Erscheinung gebracht hat, obwohl für sie kein Pfad über den Zeitpunkt des ersten ‘Jetzt’ hinausführt. Dieser Sachverhalt bedingt:

Postulat I: - Im Anfang ist der Kosmos2.

Dieser Zeitpunkt markiert eine Grenze, die der Mensch derzeit, außer in gewagten und vermutlich nie zu beweisenden Theorien, nicht überschreiten kann.

Mit dem ‘Pool an Freiheitsgraden’ tritt der Kosmos als Ereignis in Erscheinung. Dieser ‘Pool an Freiheitsgraden’ entspricht der ‘Leerheit’ und ist der bewussten Wahrnehmung und damit der Erkenntnis des Ich bin nur indirekt zugänglich, indem er das Seiende ‘ermöglicht’. Das erste ‘Jetzt’ markiert zugleich den Beginn der Hervorbringung des Seienden.

Der ‘Pool an Freiheitsgraden’ enthält nicht nur (indirekt) alles Seiende, sondern bringt es zudem hervor. In seiner Transzendenz ist mit Begriffen nichts über ihn auszusagen, außer dass er Nichts ist, ein Nichts, das alles enthält. Er besitzt weder Substanz, Geist, noch ein Anderes und selbst der Begriff des Nichts verbirgt sein wahres Wesen vor der bewussten Wahrnehmung des Ich bin. Dieses ‘Ursprüngliche’, das den Anfang des Kosmos markiert und dem Homo sapiens in den unterschiedlichsten Symbolen und Begriffen gegenübertritt, bringt das Seiende hervor, indem die in ihm enthaltenen Freiheitsgrade in ‘duale Information’ transformiert werden.

Postulat II: - Die Transformation eines Freiheitsgrades erzeugt eine duale Information.

Im Taoismus ist das Tao Ursprung und Wirkprinzip. Von Dauer ist nur das Wirkprinzip, der Prozess der Wandlung. Ihm gegenüber besitzen die zehntausend Wesen nur ein zeitweiliges Sein; sie sind ihm untergeordnet. Bei Plotin ist es das transzendente Eine, dessen Überquellen das Sein erzeugt, indem es sich zu seinem Ursprung zurückwendet und somit eine Einheit aus der Gesamtheit alles Seienden bildet. Es ist das Absolute, der Ursprung, das Einheitsbildende, durch das alles Sein Einheit und damit überhaupt seiend ist. Nahezu in denselben Worten verkündet es Meister Eckhart

„Die Einheit zeugt - oder hat gezeugt - Einheit und hat auf sich selbst ihre Liebe und Glut zurückgewendet.“3

Gottes absolute Selbstaffirmation ist ‘Selbstreflexion’, mit der er sich zum einen selbst und zum anderen seinen Ursprung, die ‘Gottheit’, erkennt. Das Gemeinsame in diesen Ausführungen ist ein Prozess, ein Wirkprinzip, der das Seiende, dessen Evolution bedingt und ihm immanent existent ist. Der ‘Prozess der Transformation’ ist dieses Wirkprinzip, in dem ein Freiheitsgrad in duale Information transformiert wird. Ihn bezeichne ich als ‘Basiselement’ oder ‘Fundamas’, für fundamentales Element.

Das Fundamas ist die transzendentale ‘Erste Ursache’, die uranfängliche Einheit oder das zeitlose, alles durchdringende Wirkprinzip, das Tao. Es ist der Prozess der Transformation, der - um es in der Begrifflichkeit der Physik zu formulieren - zwei miteinander in Wechselwirkung tretende Elemente (Entitäten)4 zu einer neuen, umfassenden Einheit transformiert.

Das Fundamas selbst ist die Einheit aus dem Prozess der Transformation und der Information über die Transformation, oder: Die Information des transformierten - erzeugten - Seienden, das als Ereignis zur Erscheinung gelangt, und die Information, die dessen Sein als Sosein sowohl als Information erhält als auch begründet.

Das Intervall der Transformation ist das ‘Jetzt’. Das ‘Jetzt’ markiert den Zeitpunkt, zu dem ein mögliches zukünftiges ‘Jetzt’ als Ereignis in der Realität in Erscheinung tritt. Das ‘Jetzt’ vermindert den ‘Pool an Freiheitsgraden’ um genau einen Freiheitsgrad.

Postulat III: - Das ‘Jetzt’ umfasst das Intervall, das explizit eine Transformation umfasst.

Letztes Postulat füge ich nur zur Information hier an. Es gewinnt erst im Zuge der zunehmenden Beschleunigung des Daseins an Bedeutung.


Dies sagt im Prinzip das Gleiche aus wie der Begriff der’Leerheit’ und der ‘Unbeständigkeit bzw. der ewigen Transformation (Wandel) des Seienden. Und es steht außer Frage, das zu dem Zeitpunkt des ‘Im Anfang ...’ ein Selbst geschweige denn ein Ich bin existierte.

Das der Kosmos vom Einfachen zum Komplexen strebt, dürfte ebenfalls ohne Einspruch zur Kenntnis genommen werden. Es erübrigt sich an dieser Stelle, die Evolution des Kosmos nachzuzeichnen, sie dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb gleich der Sprung zur Geburt oder besser gesagt, der Hervorbringung des Ich bin.


Weiter in Teil 3.


Gruß und Glück

Tathagata


1 Kant: AA III, Kritik der reinen Vernunft, Suhrkamp Taschenbuch Bd. 2, S. 671.

2 Ausführlicher wird diese Thematik in Volker Schopf, Über den Kosmos Bd: 1, Ursprung und Evolution behandelt.

3 Zit. bei Winkler, Meister Eckhart zur Einführung, 1997, S. 60-61.

4 Entität (mittellateinisch) entitas, zu spätlateinisch ens ‘seinend’, ‘Ding’. Der Begriff bezeichnet etwas, das existiert, ein Seiendes, einen konkreten oder abstrakten Gegenstand.

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