Der Leib II

  • Das Ich bin ist eine Einheit. Es kann nicht in den Dualismus von Leib und Geist aufgespalten werden. DasIch bin ist Leib. Die bewusste Wahrnehmung, die Erkenntnis des Selbst, des Ich bin, ist Ausdruck des Leibes. Der Begriff Geist bezeichnet lediglich ein Tun des Leibes, indem ein bestimmtes Tun bzw. Körperzustand (raumzeitliches Muster)in besonderer Weise mit dem Transformationsgeschehen des Leibes verknüpft wird. Das Ich bin ist die Weiterentwicklung früherer Programme, die das Tun (Verhalten) des Homo sapiens bedingten. Um trotz der Beschleunigung des Transformationsprozesses, aufgrund zunehmender Komplexität, die Erhaltungdes Leibes zu gewährleisten, entwickelte sich die Kategorie des Ich bin, die ein schnelleres Tun in Bezug auf das Andere ermöglichte. Ein spezieller Möglichkeitsraum, der weniger Informationen (Möglichkeiten der Transformation (Tun)) umfasste und somit eine effektivereTransformation erlaubte.
    Die von dem Anderen bedingten Transformationen des Leibes, treten nur dann als bewusste Wahrnehmung des Ich bin in den Fokus des Leibes, wenn sie aufgrund des Leibes, dessen raumzeitlichen Mustern, in Bezug auf die Erhaltung von Bestandteilen des Leibes von Bedeutung sind.Die Bestandteile des Leibes (anderen Begriff wählen) umfassen von der Zelltätigkeit über die komplexer aufgebauten Organe bis zu dem Gehirn mit seinenkognitiven Fähigkeiten, sämtliche den Leib konstituierenden Elemente.
    Ein Gedanke ist ein leiblicher Zustand, ein raumzeitlicher Zustand, der im ZNS des Leibes zu der Einheit des Ich bin transformiert wird. Anders formuliert: Der Geist des Ich bin ist ein in den Fokus des Leibes getretener Zustand eben dieses Leibes.
    Mit anderen Worten: Nur die zur Erhaltung von Elementen des Leibes im Jetzt notwendigen Zustände, werden zur Einheit des Ich bin transformiert und treten somit als bewusste Wahrnehmung in Erscheinung. Dies besagt: Ist die Erhaltung des Leibes gewährleistet bzw. nicht in Gefahr, er- um es zeitgemäß zu formulieren - in Harmonie mit sich und dem Anderen, dann reduziert sich die Rate der Ich bin Transformationen. Das Ich bin tritt in den Hintergrund bzw. weniger bedeutsame Transformationen rücken in den Fokus des Leibes. Wahrnehmung von Vogelgezwitscher, Veränderungen in der gewohnten Umgebung, bisher unbewusst ablaufendeProzesse des Körpers, die jetzt in Form von Gedanken, Überlegungen etc. in die bewusste Wahrnehmung treten können.
    Die Harmonie des Leibes bzw. dessen ungefährdeter Zustand im ‘Jetzt’, ermöglicht ihm ‘sozusagen’ weniger bedeutsame bzw. nicht unmittelbar notwendige raumzeitliche Muster zur Einheit des Ich bin zu transformieren. Dies äußert sich im ‘Spiel der Gedanken’, der ‘freien Assoziationen’, der bewussten Wahrnehmung von Eindrücken(Bildern, Symbolen etc.), die erst durch weitere Transformationen den Grund ihres Erscheinens offenbaren. Sie basieren auf dem vom Ich bin nicht wahrgenommenen Transformationsgeschehens und treten dem Ich bin z. B.: umfassender Ausdruck bzw. Symbol etc. in Erscheinung, welcher bereits mit anderen, dem Ich bin zugänglichen Leibzuständen assoziiert ist. So erscheint uns z. B.: ein Anderer, dem wir zum ersten Mal begegnen, nachdem wir ihn eine Zeit lang zugehörthaben, als Schwätzer, Vertreter, mit den mit diesem Begriff verknüpften Attributen, sofern der Leib dies für notwendig erachtet.
    Derartige bewusste Wahrnehmungen basieren auf früheren Wahrnehmungen und treten - sofern äußere Umstände es erlauben - als Abschluss eines unbewussten Tuns des Leibesin dessen Fokus. Er transferiert auf diese Weise Wahrnehmung des Anderen, der Außenwelt in die Ich bin Kategorie, um zu einem späteren Zeitpunkt schneller bzw. effektiver den Anderen in Bezug auf den Leib, dessen mögliche Gefährdung, beurteilen zu können. Somit dient der hier nur kurz skizzierteProzess indirekt der Erhaltung des Leibes.
    Wu Wei ist deshalb nur möglich, wenn der Leib in Harmonie ist, bzw. keine Transformationen zur Erhaltung seiner Elemente erforderlich sind. Dann ist es ihm möglich, wenigerbedeutsame Transformationen zu fokussieren und als bewusste Wahrnehmung zur Erscheinung gelangen zu lassen. Wu Wei umfasst das über das unmittelbar zur Erhaltung des Leibes erforderliche Tun hinausgehende Transformationsgeschehen,welches als umfassender Begriff in die bewusste Wahrnehmung tritt. Dies besagt: Die im ‘Jetzt’ zur Erscheinung gelangte bewusste Wahrnehmung ist das Tun, welches aus einem ‘Pool an Möglichkeiten’ als das ‘optimale’ bzw. ‘wahrscheinlichste’ Tun in den Fokus des Leibes trat. In obigem Fall beschreibt der Begriff ‘Schwätzer’das Transformationsgeschehen in Bezug auf den Anderen und gründend auf frühere Wahrnehmungen, optimal und wird deshalb als bewusste Wahrnehmung in die Kategorie desIch bin transferiert.
    Wu Wei setzt uns weder mit dem göttlichen noch einem universellen Willen in Kontakt bzw. ist dessen Ausdruck, sondern es ist ein Tun des Körpers, das in dessen Fokus trittund somit als bewusste Wahrnehmung zur Erscheinung gelangt.
    Das Umfassende bzw. das Andere in der Außenwelt ist vom Leib des Homo sapiens nur dann wahrnehmbar bzw. bewirkt eine Transformation in der Innenwelt, wenn es von den seine Wahrnehmungkonstituierenden Elementen (Sinnen) transformiert werden kann bzw. sie zur Transformation bewirkt. Die Außenwelt ist stets ein Transformationsprodukt der Innenwelt, basierend auf Informationen der Außenwelt bzw.dem durch sie ausgelösten Prozessgeschehen des Leibes. Infolgedessen ist die Außenwelt stets individuell trotz ihrer scheinbaren Übereinstimmung innerhalb der Spezies des Homo sapiens.
    Je umfassender die Einheit ist, in welche das individuelle Ich bin eingebunden ist, desto rudimentärer wird die Wahrnehmung in Bezug eben dieses ihn Umfassende. Anders formuliert: Desto umfassender die, das individuelleIch bin einbeziehende Einheit, begriffen wird, umso mehr Informationen der Außenwelt liegen außerhalb seines Weltkegels. Anders formuliert:Die, dem Ich bin zugänglichen Informationen, die ihm als bewusste Wahrnehmung zur Erscheinung und damit zur Erkenntnis gelangen, liegen mit zunehmenderAusdehnung des ihn Umgrenzenden außerhalb seines Weltkegels bzw. sind ihm aufgrund seiner durch die Sinne begrenzten Wahrnehmung nicht transformierbar.
    Folglich ist ein den Leib umfassender Wille bzw. ein ihn umgrenzender Prozess, wenn überhaupt, nur bedingt bzw. in zunehmendem Maße des Umfassenden nicht mehr wahrnehmbar.Das Seinsfeld als das die Spezies Homo sapiens Umfassende, entzieht sich dem Ich bin nahezu vollständig. Ein Tun der Spezies Homo sapiens in seiner Gesamtheit übersteigt seine Möglichkeiten der Wahrnehmung und ist ihm nur im Kleinen und auch hier nur in begrenztem Umfange möglich.
    Jene, die das Ego (Selbst) überwinden wollen, um in Einklang mit dem universellen Willen (Gott, Liebe etc.) zu gelangen, sollten zuerst in Einklang mit ihrem Leib gelangen, dessenAusdruck sie in Form des Ich bin sind. Das Ego dient wie jedes andere Element des Körpers dessen Erhaltung und ebenso wie er ohne Leber, Herz oderNieren über einen längeren Zeitraum nicht existenzfähig ist, wäre er es ohne die Kategorie des Ich bin.
    Sein ohne Ego (Ich, Selbst) ist nicht Sein in Einklang mit Gott bzw. dem universellen Willen, sondern bloßes Sein des Leibes.
    Wer das Ego überwindet - sofern dies dauerhaft möglich wäre - zerstört die Einheit des Leibes, spaltet sie auf in einen Dualismus, trennt den Komplex des Ich bin von der Wahrnehmung des Leibes ab. Wer so handelt, lebt nicht mehr in Harmonie mit dem Leib, dessen Ausdruck das Ich bin ist; er ist das Opfer seines Leibes, der auf falschem Pfad wandert. Analog dazu könnte der Leib seine Leber, sein Herz oder ein anderes Organ überwinden- in beiden Fällen reduziert er die Möglichkeiten in Bezug auf die Erhaltung seines Leibes.

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