Der Sinn des Lebens (Erste Gedanken)

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Den Christen zufolge, besteht der Sinn des Lebens in einem gottgefälligen Leben. Was sagt die Bibel hierzu? Jesus Christus kündigte das Reich Gottes an, nicht das Paradies. Mit dem Reich Gottes wird Gottes Schöpfung vollkommen, das heißt, sie kommt zu ihrer Bestimmung, so wie Gott sie gewollt hat. Im Reich Gottes werden die Menschen in Frieden mit sich und mit Gott leben. Schließlich wird es im Reich Gottes kein Leid mehr geben, alle Tränen werden „abgewischt“ (Offb 21,4). Vom Paradies sprach Jesus nur einmal – laut Lukasevangelium gegenüber dem reuigen Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wurde: „Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43). Dazu später mehr.


Folgende Worte sprach der Buddha kurz vor seinem Tod:


„Alle bedingten Gebilde sind unbeständig.

Sie sind Erscheinungen, abhängig von Geburt und Tod.

Wenn Geburt und Tod nicht länger existieren,

ist das vollkommene Verstummen Freude.“


Und er empfiehlt dazu unteren anderen Punkten: „Mein einziger wahrer Besitz sind meine Taten. Ich kann den Konsequenzen meiner Taten nicht entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.“

Weiter lehrte der Buddha, wie die Wirklichkeit zu verstehen ist. Beispiel: Eine Welle ist eine Welle, sie hat einen Anfang und ein Ende. Sie kann hoch oder niedrig, schön oder weniger schön sein als andere Wellen. Aber eine Welle ist gleichzeitig auch Wasser. Wasser ist der Seinsgrund einer Welle. Es ist wichtig, dass eine Welle sich bewusst ist, dass sie Wasser ist und nicht nur Welle. Auch der Mensch lebt sein Leben als Individuum. Er glaubt, einen Anfang und ein Ende und ein eigenständiges von anderen Individuen getrenntes Selbst zu besitzen. Schauen wir jedoch tiefer, sehen wir den Grund unseres Seins, das Nirvana. Auch hierzu gleich mehr.


Mohammed hat sich zu Lebzeiten viel mit dem Paradies beschäftigt. Dazu:


Der arabische Begriff für Paradies im Koran, ‚dschanna‘, bedeutet „Garten“. Das verwandte türkische Wort ‚cennet‘ steht auch für Paradies, veraltet für Garten. Das Paradies besteht aus mehreren Gärten (55,46ff.) und wird von Wärtern bewacht (39,73). Schon vor dem Eintritt ins Paradies werden den Gläubigen Häuser oder Gemächer versprochen (39,20; 29,58). Sie werden dort ewig leben und somit ewig vor dem Höllenfeuer verschont (44,56).

Alle diejenigen werden belohnt, die „glauben und tun, was Recht ist“ (2,25), die „Gottesfürchtigen“ (52,17).

Das Bild von der Waage spielt für die Beurteilung eine wichtige Rolle. „Wer (aufgrund seiner guten Werke) schwere Waagschalen hat“ (101,6ff.), dem wird in Aussicht gestellt, dem lodernden Feuer zu entgehen. Obwohl die guten Werke wichtig sind, ist der richtige Glaube das Hauptkriterium für Akzeptanz bei Gott. Die wahren Gläubigen dürfen für ewig in das Paradies, in die „Gärten der Wonne“ (56,26) oder in die „Gärten von Eden“ (19,61) eingehen.


Im Islam ist folglich das Hauptkriterium für den Eintritt in das Paradies der richtige Glaube.


Bereits im alten Ägypten wurde das Herz des Menschen mit einer Feder aufgewogen und nur derjenige konnte die Gefilde der Binsen betreten, dessen Herz nicht schwerer war als die Feder.


Diejenigen, die aufgrund ihres vergangenen Lebens, nicht in den Genuss des Paradieses, des Nirvana oder der Gefilde der Seligen kamen oder noch kommen, steht entweder eine Leidenszeit in der Hölle bevor, oder sie werden wiedergeboren, oder von der Verschlingerin1 gefressen.


Der Sinn bzw. das Ziel des Lebens ist folglich, getreu den jeweiligen Geboten, Verboten, Regeln der Achtsamkeit usf. sein Leben zu gestalten, sofern er sich für das Paradies usf. qualifizieren möchte. Wem dies nicht gelingt, der wird die Kehrseite der Medaille zu spüren bekommen. Synonym für das richtige Leben, dessen wahren Sinn, seien hier die zehn Gebote angeführt, die Moses von Gott erhielt:


Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.


Weitere Fragen und Gedanken:

Warum sollten diese Gebote bzw. ihre Pendants in den jeweiligen Glaubensvorstellungen, als Sinn des Lebens, zumindest des bewussten Menschen, betrachtet werden?

Tötete Gott nicht selbst bzw. unterstützte die Kriege seiner Auserwählten?


Und betrachten wir den Buddhismus näher z.B. die Regel, was ein Mönch besitzen darf - drei Roben, eine Almosenschale, einen Wasserfilter, eine Tasche für die Almosenschale. Die Nahrung wird ausschließlich erbettelt. Wenn ich diese Lebensweise mit dem ‘Kategorischen Imperativ’ von I. Kant verknüpfe - „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ - , dann ist sie nicht überlebensfähig.


Zudem spricht der Kosmos, der in Milliarden Jahren der Evolution, den Homo sapiens, den modernen Menschen hervorgebracht hat, eine andere Sprache. Er relativiert ‘Gut’ und ‘Böse’ und ordnet es den jeweils herrschenden Gegebenheiten unter. Hier regiert das Gesetz des Überlebens und seine Sprache ist die der Wahrscheinlichkeit, der optimalen Lösung, die Fortdauer ermöglicht.

Die Frage, die sich in Bezug auf den Sinn des Lebens stellt, sollte deshalb - unter Zugrundelegung eines freien Willens des Menschen - folgendermaßen lauten:


Lebe so, dass du für die Zukunft des Kosmos von Nutzen bist.


Fortsetzung in Teil 2.

Gesundheit und Glück

Tathagata



1 Das Totengericht bestand aus einem von Osiris, einem alten chthonischen Gott, geleiteten Tribunal aus 42 auch dämonisch aufgefassten Totenrichtern (Gaugötter), die darüber entschieden, welche Ba-Seelen in das Jenseits übertreten durften. Grundvorstellung war, dass jeder Tote im Jenseits von den „Sünden des Lebens“ vor dem Totengericht befreit wird. Bei einem Scheitern drohte dem Verstorbenen der Aufenthalt in der Keku-semau (Finsternis), die nicht von den lebensbringenden Strahlen der Nachtsonne erreicht werden konnte.

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