
„Ach, Sebastian“, dachte Charlotte, wo hat unsere Liebe ihren Anfang genommen? Im Sandkasten, ohne dass wir es selbst bemerkten, als ich dich Klaus rief, wir mit deinem roten Lastwagen im Sandkasten über selbst gebaute Straßen fuhren und ich zum ersten Mal in deine Augen blickte, dunkle, einsame Seen, durchtränkt von Traurigkeit, vom nahen Ende kündend?
Oder später?
Zufall oder Schicksal, dass deine Mutter nach ihrer Flucht aus Ostpreußen gegenüber von uns bei Familie Heinzelmann im Haus die obere Wohnung zugeteilt bekam? Deine Schwester Maria und du Sebastian, hattest am Todestag von Klaus Geburtstag; ein Umstand, dessen Bedeutung ich erst später begriffen habe, nachdem ich deine seltsame Geschichte kannte und unsere erste Liebe erblühte. Nahm hier unsere Geschichte ihren eigentlichen Anfang?
Ich weiß es nicht.
Ach, Sebastian, die Jugendjahre, später das schreckliche Zugunglück, dein Tod, erneuter Abschied, Jahre des Alleinseins. Und als du plötzlich vor mir standest, achtzehn Jahre später, im Dämmerlicht des Hausflurs – so jung, als temperamentvolle Frau, Bella. Unsere gemeinsamen Jahre, die Reisen, und erneut riss ein Unglück dich von meiner Seite, ein weiterer Abschied und Jahre der Hoffnung, des Wartens bis in die Gegenwart.
Und heute?
Kündigen die Erinnerungen an dich, unsere Liebe, dein Kommen an oder meinen Abschied vor der Zeit? An wie vielen deiner Gräber habe ich meine Tränen vergossen, mich deiner erinnernd, hoffend auf ein Morgen, ein Wiedersehen, ein letztes spätes Glück.“