Das Wesen des Kosmos V

  • Nachfolgender Text beeinhaltet den vierten Teil des in der 1. Auflage veröffentlichten Version. In deraktuellen, wesentlich erweiterten 2. Auflage, wurde er komplett überarbeitet.


    Ausblick:



    Der Kosmos strebt zum 'umfassenden Wissen'. Mit anderen Worten: Er erreicht, indem er sich in der Wahrnehmung vollständig seines Wesens bewusst wird, ein Jetzt, das für das 'Ich bin' eine weitere Grenze markiert. Jedes spätere Jetzt wäre Spekulation.


    Die Entität 'Mensch' hat als 'Ich bin' Teilhabe an der Mannigfaltigkeit, der sie als Nicht-Eins angehört, und hat mit ihr als Einheit der Mannigfaltigkeit, der Entität 'Gattung Mensch', Teilhabe an der ihr im Jetzt größtenteils verborgenen, umfassenderen Realität. Die Vergangenheit, die Entwicklung des Kosmos, des Lebens auf der Erde, ist dafür Beweis genug, und drehen wir die Schraube weiter in Richtung Zukunft, dann sehen wir die Entität des 'Ich bin' (Mensch), deren Mannigfaltigkeit 'Gattung Mensch', und betrachten wir diese Mannigfaltigkeit als Entität, so strebt auch dieser Pfad, wie das ihn Bedingende, zur Mannigfaltigkeit. Verdeutlichen wir uns die Aussage an einem Beispiel: Der Mensch steht im gleichen Verhältnis zur Gattung Mensch, wie ein Neuron zum Gehirn, und die Gattung Mensch ist im Wesen des Kosmos das Neuron einer ihm bisher verborgenen umfassenderen Entität.


    Der Kreislauf von Bewirkt-Werden, Wandel und dem Gewandelten, als aus diesem Kreislauf resultierende Einheit, die zur Entwicklung des Gewandelten als Entität führt, wird sich bis zu der bezeichneten Grenze fortsetzen. Friedrich Nietzsches 'Wiederkehr des ewig Gleichen' beschreibt den Kreislauf, nur übersah er dabei, dass sein ewig Gleiches in komplexerer Weise wiederkehrt. Bezieht man seine Erkenntnis auf das Ursprüngliche, das in der Vergangenheit des Gewandelten als ewig Gleiches wiederkehrt, dann sah er lediglich zu kurz.


    Welcher Ausblick in die Zukunft ist zulässig, ohne 'wilde' Spekulation oder 'Ich bin'-Interpretation? Jeder Blick in die Zukunft ist Spekulation und mit jedem zukünftigen Blick verlassen wir mehr und mehr den sicheren Boden. David Hume9 lehrte uns zudem, dass die Kontinuität der Vergangenheit keine Gewähr für ihre Fortsetzung in der Zukunft ist. Zudem basiert jede Beschreibung des Kosmos auf der Wahrnehmung eines 'Ich bin', ist somit individuell, folglich Interpretation. Selbst 'Die Theorie für alles' in der Physik ist Interpretation des Kosmos, die in der Sprache der Mathematik das Grundlegende seines Wesens, die ihn konstituierenden Eigenschaften, zu beschreiben versucht, aufgrund derer die Entwicklung folgt, der wir uns als 'Ich bin' gegenübersehen. Die Suche nach dem Sinn, dem 'Warum' des Kosmos kann im Jetzt ebenso wenig beantwortet werden wie Fragen, die sich mit seiner zukünftigen Entwicklung beschäftigen. Der Endpunkt ist 'umfassendes Wissen', der, bedingt durch den letzten möglichen Wandel, das Wesen des Kosmos umfassend in die Wahrnehmung treten lässt. Ob diese umfassende Wahrnehmung überhaupt erreicht werden kann, liegt im Dunkel der Zukunft verborgen. Betrachten wir dazu das Jetzt des 'Ich bin', so wie es ihm in der Wahrnehmung erscheint, dann umfasst dieses Jetzt eine Vergangenheit und dies würde in Bezug auf den Kosmos bedeuten: Es gibt ein 'Jetzt' nach dem letzten Wandel zur umfassenden Wahrnehmung, dem umfassenden Wissen. Oder markiert erst dieses 'Jetzt' den Endpunkt? Andererseits ist es vorstellbar, dass der Kosmos zu keiner Zeit diesen Endpunkt erreicht, weil er Opfer seines eigenen Wesens wird, seines Strebens in die Mannigfaltigkeit, dem die bewusste Wahrnehmung stets hinterherhinkt.


    Die Mannigfaltigkeit des Kosmos bedingt eine Vielzahl an Wahrnehmungen und Beschreibungen seines Wesens, und wenn wir diese Aussage präziser fassen, so verfügt jedes 'Ich bin' über seine individuelle Sichtweise (Interpretation), die durch seine Vergangenheit bedingt ist. Die Komplexität des 'Ich bin' ist eine unerschöpfliche Quelle; dies im positiven Sinn. Sie mehrt die Mannigfaltigkeit des Kosmos auf eine neue Weise, fügt ihr eine weitere Dimension hinzu.


    Das 'Ich bin', so dachte ich früher (Anhang 'Mein Weg'), umfasst in der materiellen Realität den Körper und in der spirituellen Realität sein Lebensfeld. Unter Lebensfeld verstand ich sein umfassendes Dasein, von der Geburt bis zum Tod, vom einzelnen Gedanken – bewusst oder unbewusst – bis zu seinem Tun als Entität. Nach seinem Tod, dem Endpunkt als materielle Entität, existiert die Entität ohne das 'Ich bin' nicht nur weiter, sondern sie wirkt auf das Andere und kann von diesem bewirkt werden. Ein Trugschluss, wie sich bald zeigen sollte, aufgrund der begrenzten Wahrnehmung des 'Ich bin', das die Zweiheit des Kosmos nicht zur Einheit auflösen kann. Der Kreislauf von Bewirkt-Werden, Wandel und dem Gewandelten, als aus diesem Kreislauf resultierende Einheit, die zur Entwicklung des Gewandelten als Entität führt, umfasst sowohl die materielle als auch die spirituelle Realität, und der Wandel zum Tod des 'Ich bin' in der materiellen Realität bezeugt zum einen seine begrenzte Wahrnehmung und zum anderen, als Ausdruck dieses Mangels, die Beschreibung eines Jenseits, das hinter dieser materiellen Realität besteht oder in diese eingefaltet ist, und in der das 'Ich bin', in welcher Weise auch immer, fortexistiert.


    Das einzige Kriterium des Kosmos ist in seinem Wesen begründet und bedingt den Erhalt der ursprünglichen Entität. Daraus folgt für das 'Ich bin': Es bleibt als ursprüngliche Entität – in der es umfassenden Entität (Wesen des Kosmos) – als dessen Vergangenheit erhalten. Der Tod des 'Ich bin', seine infolge der Wahrnehmung materielle Vergänglichkeit, ist nicht mehr als ein Wandel, ein Tun der Entität. Die Frage in Bezug auf den Erhalt der ursprünglichen Entität stellt sich dabei nicht, und wer das Wesen des Kosmos auf die spirituelle Realität oder, in der Sprache der Physik, auf Energie reduziert, der unterliegt dem bereits angesprochenen Trugschluss. Was lässt sich nun im Weiteren über die Entwicklung des Kosmos aussagen?


    Zu Beginn habe ich es folgendermaßen formuliert: Betrachten wir die Entität 'Mensch', deren Mannigfaltigkeit 'Gattung Mensch' und diese Mannigfaltigkeit wiederum als Entität, so strebt auch dieser Pfad, wie das ihn Bedingende, zur Mannigfaltigkeit. Natürlich basiert diese Aussage auf Spekulation, einer Art Hochrechnung des 'Jetzt' bzw. der uns gegenwärtig bewussten Vergangenheit. Der bekannte Einwand – von David Hume, mit seinem Beispiel des Freundes in Frankreich, der früher bereits in Frankreich war, Briefe an uns schrieb und wir deshalb, aufgrund der Vergangenheit, auch im Jetzt darauf schließen, dass der gerade eingetroffene Brief des Freundes aus Frankreich bezeugt, dass er wirklich dort ist – soll aufzeigen, wie das 'Ich bin' aus der Vergangenheit das Jetzt erschließt. Die Vergangenheit des 'Ich bin' bedingt das 'Jetzt' und – obwohl natürlich ein Anderer den Brief in Frankreich aufgegeben haben könnte – begründet die Vergangenheit diese Sichtweise. Begründete Zweifel oder Ahnungen, die dem 'Ich bin' zu einem späteren Jetzt in die Wahrnehmung treten, fußen auf einem umfassenderen Wissen und bedingen dementsprechend ein gewandeltes 'Ich bin' und Jetzt.


    Grundsätzlich haben wir keinen Grund, der Vergangenheit bzw. der von ihm im Jetzt bedingten Wahrnehmung des 'Ich bin' zu misstrauen. Weshalb auch? Der Freund kann uns – aus welchen Gründen auch immer – täuschen, das Wesen des Kosmos nicht; es wandelt und entwickelt sich gemäß seinem Wesen. Gut und böse, Täuschungen oder Lügen usw. sind Begriffe des 'Ich bin' und gründen auf Kriterien, die ihm größtenteils verborgen sind und die stets den Erhalt der ursprünglichen Entitäten bedingen, auch wenn das 'Ich bin' zum Selbstmord befähigt ist und demnach obige Prämisse falsch erscheint. Sie ist es übrigens nicht, und weshalb das 'Ich bin' entgegen dieser Prämisse handeln kann, werde ich im zweiten Teil aufzeigen.


    Die Vergangenheit bedingt das 'Jetzt'. Es umfasst für das 'Ich bin' ein nur begrenzt zugängliches Wissen. Beispiel: Der Mensch besitzt in Form von Genen das Erbgut seiner Eltern und er begleitet über Jahrzehnte ihren Lebensweg, trotzdem ist sein Wissen über sie begrenzt, also nicht umfassend. Die Wahrnehmung des 'Ich bin' entgrenzt sozusagen mit jedem Jetzt das ihm zugängliche Wissen, indem es ihn in Form von Begriffen (Sprache und Schrift) das Wesen des Kosmos umfassender wahrnehmen lässt. Diese umfassendere Wahrnehmung der Vergangenheit beweist das oben Gesagte und lässt demnach einen Ausblick in die weitere Entwicklung des Kosmos zu.


    Noch einmal: Der Mensch steht im gleichen Verhältnis zur Menschheit, wie ein Neuron zum Gehirn und die Menschheit ist im Wesen des Kosmos das Neuron einer ihm bisher verborgenen umfassenden Entität. Diesem Pfad folgt die Entwicklung des Kosmos.


    Beliebig lässt sich der Pfad – wie wir gesagt haben – nicht fortsetzen. Mit dem letzten Wandel wird das Wissen des Kosmos zum 'umfassenden Wissen'. Dieser Endpunkt markiert eine ebenso unüberwindliche Grenze wie der Anfang des Kosmos.


    Jedes 'Mehr' in Bezug auf die Entwicklung des Kosmos bezeugt die Vorstellungskraft des 'Ich bin' und führt, außer zu stets gewagteren Spekulationen, nur zu möglichen Szenarien mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten. Davon gibt es bereits ausreichend Zeugnisse, und die Zukunft wird, entsprechend dem Verhältnis von Mannigfaltigkeit und der durch sie bedingten Beschleunigung, eine Flut an neuen, umfassenderen und mitunter interessanten Schriften hervorbringen.


    Wir wollen uns daran nicht oder zumindest nicht an dieser Stelle beteiligen, deshalb endet diese Abhandlung im 'Jetzt' und überlässt dem 'Ich bin' des Lesers das Spekulieren.


    Fortsetzung folgt:

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